Sonderausstellungen

Vorschau

Laubenvögel

Ein Leben auf der Bühne

Ab 10. Juni 2017

Mit der Ausstellung greift das Landesmuseum Natur und Mensch Oldenburg ein Phänomen in der Natur auf, das Naturwissenschaften wie Kunst gleichermaßen berührt und eine Grenzziehung zwischen Tier und Mensch zu erschweren scheint: Das Balzverhalten der größtenteils erst nach 1850 entdeckten Gruppe der Laubenvögel. Irritierte doch der „Kunstsinn“ dieser Singvögel seinerzeit die Welt der Kunst.

Laubenvögel leben nur in Australien und Papua-Neuguinea. Die Evolution hat bei allen 20 Arten dieser Gruppe ein im gesamten Tierreich bislang einmaliges Balz-Konzept umgesetzt: Allein die Bautätigkeit der Männchen ist für die Wahl der Weibchen entscheidend. Die Männchen errichten gleichsam Alleen, Maibäume und Laubenhütten, die zum Teil so groß sind, dass sie auch von Menschen genutzt werden könnten. Jede Vogelart schmückt ihr Bauwerk zudem mit unterschiedlich farbigen Gegenständen. Die Weibchen beobachten aus den Bäumen heraus die Männchen, die ihre Bauten in einer ‚Arena‘, wie auf einer Bühne, erstellen und dekorieren. Die Wahl des Partners treffen die Weibchen nach der Qualität des Baus, dem Aufwand des Schmückens und dem Erfolg der Männchen beim Diebstahl schmückender Utensilien von den Bauten ihrer Konkurrenten. Einmalig an diesem evolutionären Prozess ist die Tatsache, dass sich der gesamte männliche Balzaufwand außerhalb des Vogelkörpers widerspiegelt und nicht im Federkleid, wie z. B. bei den nahverwandten und bekannteren Paradiesvögeln. Die Ausstellung zeigt weltweit erstmals alle Laubenvogel-Arten einschließlich ihrer Balzbauten im Originalmaßstab. Darüber hinaus wirft sie einen Blick auf die Bedeutung der Balz im Tierreich und die verleitende Vermenschlichung tierischen Verhaltens. „Laubenvögel . Ein Leben auf der Bühne“ vereint das Staunen über Ästhetik im Tierreich mit der Diskussion über Intelligenz und Zielgerichtetheit tierischen Tuns.

Australiens vergessene Felsbilder

Eine wissenschaftliche und künstlerische Expedition zu den Bradshaws

17. Juni bis 15. Oktober 2017

In der auch heute noch kaum zugänglichen Kimberley-Region im Nordwesten Australiens finden sich an Felsüberhängen Bilder menschlicher Darstellungen in künstlerischer Vollkommenheit. Sie werden nach ihrem Entdecker Joseph Bradshaw benannt und nur wenige Wissenschaftler haben sie bis heute gesehen. Ursprung und Bedeutung der Felsbilder sind nicht sicher geklärt. Stil und Malweise der Zeichnungen weichen erheblich ab von denen der heute lebenden Aborigines und deren überlieferten Felsbilder. Vielmehr ähneln die über 20.000 Jahre alten Malereien in überraschenden Details denen mancher afrikanischer Felsbilder. Weitere Hinweise, wie z.B. das einzige außerafrikanische Vorkommen der Baobab-Bäume in der Kimberley-Region, befeuern die These, dass bereits vor langer Zeit (z.B. infolge des Toba-Vulkanausbruchs vor gut 70.000 Jahren) Menschen von Ostafrika nach Nordwestaustralien kamen und Zeugnisse an den Felswänden hinterließen.

Reto und Astrid Weiler haben mehrere Expeditionen in die Kimberley-Region auf der Suche nach Bradshaws unternommen und sich ihnen wissenschaftlich und künstlerisch genähert. Dabei stoßen sie immer wieder auf neue, bislang völlig unbekannte Felsbilder. Die Ausstellung kombiniert Großfotografien der Bradshaw-Zeichnungen und ihre wissenschaftliche Analyse mit künstlerischen Werken von Astrid Weiler, in der ihr eigenen Bildsprache aus Kimberleys Ocker und Sand.